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Von Manfred Richey
Am 17. November 2008 wurde in Aachen der Verein „H2Works” gegründet. Der Verein verfolgt gemeinnützige Ziele und will als international tätige Organisation die Chancen und Vorteile der Wasserstofftechnologie in die öffentliche Diskussion einbringen.
Die Satzung wurde verabschiedet und als Vorsitzende wurden Kai Hippler und Sebastian Muschik gewählt. Beide waren bereits Teilnehmer am Ersten Europäischen Wissenschaftsparlament am 9. und 10. Oktober in Aachen. Der Verein soll ins Vereinsregister eingetragen werden und dann den Zusatz e.V. erhalten.
Beitrag in Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung vom 3.12.2008:
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"Strom und Wärme aus Pflanzen und Abfall"
Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung vom 03.12.2008
Mit ihrem Verein „H2works" unterstützen die Schüler Sebastian Muschik und Kai Hippler die Energiegewinnung aus Biomasse
Von Martina Rippholz
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Foto: Martina Rippholz
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Aachen. Erdöl: Es ist einer der wichtigsten Energieträger, erzeugt Wärme und dient als Treibstoff. Und Öl ist endlich. Seit Jahren wird die künftige Ölknappheit diskutiert und nach Alternativen gesucht. Sonne, Wind und Pflanzenöl sind nur einige Beispiele. Aber keine kann offenbar das Öl ganz ersetzen. Gibt es also keine echte Alternative?
„Doch", sagen Sebastian Muschik und Kai Hippler. Die beiden sind Schüler am Aachener Einhard-Gymnasium, gehen dort in die zwölfte Klasse. Und sie sind Energieexperten. Als solche stehen der 18-jährige Sebastian und der 17-jährige Kai nun im Klassenraum 109, an der Stelle, die sonst dem Lehrer vorbehalten ist. Schüler und Erwachsene blicken konzentriert auf die weiße Wand neben der Tafel. |
Dort ist ein projiziertes Word-Dokument zu sehen, das den Titel „Satzung von H2works (H 2 funktioniert)" trägt und studiert wird. Es handelt sich um die Satzung eines Vereins zur Unterstützung eines speziellen Energiekonzepts: der Wasserstoffwirtschaft. Denn sie ist für Sebastian und Kai die einzige Alternative zum Erdöl. „H 2 ist der Energieträger der Zukunft", sagt Sebastian. „Damit könnte der gesamte Energiebedarf Deutschlands abgedeckt werden."
Bis die jungen Vereinsgründer diese These so mühelos vertreten konnten, hat es allerdings gedauert. Denn bis vor einiger Zeit wussten Sebastian und Kai noch nichts von der Wasserstofftechnologie. Zwar setzt sich Sebastian schon lange mit Energie und Klimawandel auseinander. Aber richtig in die Tiefe ging es erst vor etwa zwei Jahren. Damals unterhielt sich Kai mit einem Freund aus Freiburg über die Thematik: „Wir hatten schon einmal von Wasserstoffautos gehört. Ich habe anschließend das Internet zum Thema durchstöbert. Dabei stieß ich auf die Idee der "Solaren Wasserstoffwirtschaft" von Karl-Heinz Tetzlaff." Tetzlaff ist Ingenieur für Energie- und Verfahrenstechnik im Ruhestand. Er hat die Theorie zur Wasserstofftechnologie ausgearbeitet, die Sebastian und Kai mit ihrem Verein „H 2works" unterstützen wollen. Und die funktioniert - auf die schematischen Abläufe reduziert - so: Auf Feldern werden alle möglichen Arten von Pflanzen angebaut. Sie bilden Biomasse. Aber auch Klärschlamm und Abfälle aus der Landwirtschaft gehören dazu. Die Biomasse wird in speziellen Fabriken in Wasserstoff umgewandelt. „Aus 100 Prozent Biomasse werden 78 Prozent H 2. Da wird viel mehr gewonnen als bei der Wasserstoff-Produktion aus anderen erneuerbaren oder aus atomaren und fossilen Energien", sagt Sebastian.
Aus den Fabriken wird der Wasserstoff durch bereits vorhandene Erdgasleitungen an die Haushalte weitergeleitet. Dort wandeln Brennstoffzellen den Wasserstoff in Wärme und Strom um. Im Gegensatz zur herkömmlichen Energiewirtschaft wird der Strom nicht zentral erzeugt und dann verteilt, sondern die Haushalte werden direkt mit dem Wasserstoff gespeist. „Diese dezentrale Nutzung bringt durch Brennwertnutzung eine Energieausbeute von mehr als 90 Prozent", sagt Kai. „60 Prozent davon werden zu Strom. Die Abwärme wird vor Ort zum Duschen und Heizen verwendet."
Voller Enthusiasmus
Sebastian und Kai sind von dem H 2-Prinzip überzeugt. Vor lauter Enthusiasmus erzählen sie manchmal so schnell, dass sie sich überschlagen. Die beiden haben lange recherchiert, Quellen überprüft, Fakten nachgerechnet, bis sie sich in der Materie genau auskannten. „Das musste sein. Nur so können wir voll hinter der Sache stehen und sie auch anderen nahebringen", sagt Sebastian.
Und genau das taten die Schüler auch. Im Chemie- und Physikunterrich haben sie Vorträge gehalten. Und im Fach Sozialwissenschaften. „Die Wasserstoff-Technologie kann auch global helfen. Zum Beispiel Hunger und Kriege verhindern", sagt Kai. Damit meint er zum einen die Nahrungs-Überproduktion in Europa. Der Überschuss werde verbrannt oder billig subventioniert nach Afrika exportiert. Das mache die Menschen dort arbeitslos. „Wenn Europa nur für sich anbauen würde, könnte der Rest der Ackerfläche für die Produktion von Biomasse genutzt werden", sagt er. Zum anderen sind mit einer 100-prozentigen Versorgung durch die Wasserstoffwirtschaft keine Kriege mehr um Erdöl notwendig.
Ökologisch, effizient, günstig und global: Mit diesen positiven Attributen konnten Sebastian und Kai schon einige ihrer Mitschüler überzeugen. Beim europäischen Wissenschaftsparlament Anfang Oktober in Aachen haben sie zudem mit Schülern, Studenten und Wissenschaftlern über das Thema „Europa unter Strom - geht uns 2050 das Licht aus?" diskutiert. Bisher kennen sich nur wenige Experten mit der Wasserstofftechnologie als Energiealternative aus. Den Weg in die breite Öffentlichkeit hat sie noch nicht gefunden.
Das wollen Sebastian und Kai mit ihrem Verein „H 2works" ändern. Die Satzung im Raum 109 ist ein zentraler Bestandteil der Neugründung. Sie muss mehrheitlich beschlossen werden. Deshalb fragt Sitzungsleiter Kai nach jedem Paragrafen: „Seid ihr damit einverstanden?" Immer wieder kommen Rückfragen und Änderungsanträge, zum Eintrittsalter, zur Kündigungsfrist, zu den Vorstandsaufgaben. Doch irgendwann ist es geschafft. Die Satzung ist verabschiedet und die Zahl von sieben Mitglieder, die für die Gründung notwendig sind, überschritten.
Aktionen starten
Jetzt kann es losgehen. In den Räumen der Einhard-Schule werden die „H 2works"-Mitglieder in den nächsten Wochen die Thematik Bio-Wasserstoff und Energie diskutieren. Dann wollen sie ihr Netzwerk ausbauen, größere Aktionen starten. „Viele Entscheidungsträger tun die Wasserstoff-Technologie einfach ab, indem sie sagen: ‚Das funktioniert nicht, sonst würde es doch jemand machen.‘ Da muss ein Umdenken stattfinden", sagt Sebastian. Er und Kai hoffen, dazu beitragen zu können.
Kontakt zum Verein:
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