Besichtigung der Wasserstoffproduktionsanlage auf der Kläranlage in Bottrop PDF Print E-mail
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Von Thomas Engels.


Mittwochs Morgen im Ingenieurbüro Tuttahs & Meyer in Aachen am Mittwoch dem 25.11. um 7:30:
Uns werden Kaffee und andere Getränke angeboten, während wir noch kurz auf Herrn Prof. Markus Schröder warten. Als er eintrifft zeigt er uns einen brandaktuellen und erstaunlichen Vortrag über das allgemeine Energiesystem und insbesondere über die Energiegewinnung auf Kläranlagen wie z.B. in Bottrop. In Bottrop wird Wasserstoff aus Faulgas im Rahmen eines Testprojektes produziert. Der Wasserstoff wird über eine Rohrleitung zu einem Motor-BHKW geleitet. Dort wird der Wasserstoff genutzt um eine nah gelegene Schule mit Strom und Wärme zu versorgen. Das BHKW soll uns auch später noch gezeigt werden. Zukünftig soll auch eine Wasserstofftankstelle für ein paar H2-Busse mit dem Wasserstoff aus der Kläranlage versorgt werden.

 

 

Besichtigung der Wasserstofftankstelle (von links nach rechts: Prof. Markus Schröder, Thomas Engels, Jan Engels, Carl-D.A. Lewerenz, Fabian Braun, Muriel Stelter, Kai Hippler, Sebastian Muschik)

 

 

Die Wasserstofferzeugungsanlage wird uns ebenfalls später noch in Bottrop gezeigt, aber Professor Schröder erklärte uns die groben Prozessschritte schon vorher. Hier ein kurzer Überblick:
Zuerst wird aus dem Klärschlamm (Biomasse) methanreiches Faulgas erzeugt, dies geschieht in Faultürmen in denen der selbe Prozess wie in einer Biogasanlage abläuft . Das Faulgas wird einer Gasaufbereitung unterzogen, so dass Faulgas zu Biomethan konzentriert wird. Aus dem Biomethan wird über den Steam-Reforming-Prozess Wasserstoff hergestellt.


Die Kläranlage Bottrop ist eine der größten in Deutschland, hier wird das Abwasser von 1,3 Millionen Einwohnerwerten behandelt. Die moderne Abwasserbehandlung ist energieintensiv. Kläranlagen sind aber zugleich auch ein Ort der Energieerzeugung. Bei der Faulung des Klärschlammes in den vier großen Faultürmen, den Wahrzeichen der Kläranlage, entsteht Faulgas: Mehrere Millionen Kubikmeter im Jahr, das die EMSCHERGENOSSENSCHAFT in ihren Blockheizkraftwerken (BHKW) verstromt. Dadurch können rund 30 Prozent des Energiebedarfs durch selbst produzierten Strom in Bottrop gedeckt werden. Ein Teil des Faulgases, nämlich rund 500.000 Kubikmeter pro Jahr, wird als Rohstoff für die Biomethan- und Wasserstoffproduktion abgezweigt.

 

 

Container zur Herstellung von Biomethan (rechts) und Wasserstoff (links).

 

 

Schröder spricht in seinem Vortrag auch interessante Forschungsansätze wie die Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser und die „Abwasserkraft“ an.


Danach erhalten wir einen Überblick über die verschiedenen Brennstoffzellentypen und ihre Testeinsätze auf Kläranlagen.
Mit einer garantierten Lebensdauer von 10 Jahren kann man die Niedertemperaturbrennstoffzelle PAFC nutzen, leider ist sie sehr anfällig für Gasverunreinigungen. Ein Motor-BHKW ist zurzeit aber noch wirtschaftlicher. Eine SOFC ist eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle auf Kohlenstoffbasis, diese wird bereits in der Kläranlage Ahlen eingesetzt.

Zuletzt erklärte Prof. Markus Schröder noch einiges über die Geschichte des EuWak-Projektes (Erdgas und Wasserstoff auf Kläranlagen) in Bottrop.

Im Gegensatz zu den Energieversorgungsunternehmen, die quasi Ihr Grundstück betreten und aufbohren dürfen um Rohrleitungen zu warten oder zu verlegen, muss ein Kläranlagenbetreiber weitaus aufwendigere Genehmigungsverfahren einleiten. In diesem Fall musste die EMSCHERGENOSSENSCHAFT ein Jahr auf die Genehmigung für eine kürzere Wasserstoffleitung warten.

Schröder spricht auch die Technologiediskussion im Verkehrssektor an und zeigt auf, dass Elektro- und Brennstoffzellenmobilität kein Gegensatz sind. Nachteil von (Akku-)Elektroautos sei allerdings das immense Heizproblem und die verringerte Reichweite im Winter. Die geringe Leistung von Akkumulatoren ist außerdem für den Schwerlastverkehr ungeeignet.


Gegen Ende des Vortrages wurde noch einmal global gedacht. Professor Schröder verdeutlicht, dass wir uns von den fossilen Energieträgern verabschieden müssen, diese haben einfache keine Zukunft. Danach folgte noch eine bekannte Anekdote: „Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: >>Du, ich hab MenschAch, keine Sorge das erledigt sich von selbst.<<“