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Kommentar zum Besuch der Weltwasserstoffkonferenz 2010 (WHEC) in Essen

 

von Thomas Engels und Kai Hippler (Vereinsmitglieder)

 

Mit sieben Mitgliedern der H2Works OG-Aachen  besuchten wir am 17. Mai 2010 den Schülertag der Weltwasserstoffkonferenz (WHEC) in Essen.

 

Bevor wir auf der Weltwasserstoffkonferenz uns dem Luxus von (lärm-)emissionsfreien Wasserstoffgefährten hingeben konnten, mussten wir noch einmal das Risiko benzinbetriebener Fahrzeuge auf uns nehmen.

 

Auf dem Messegelände Essen angekommen, meldeten wir uns an und wurden einer leichten Verwirrung unterworfen, wo nun wir diejenigen waren, die auf einmal VOR (nicht hinter) mehreren Ständen mit Brennstoffzellen standen.

 

Doch der Verwirrung war noch nicht genüge getan. Die Einleitungsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Forschung drehte sich um die Standardfragen in Bezug auf Wasserstoff (Herstellung, Transport und Speicherung, Sicherheit, Ausblick etc.), die wir für gewöhnlich selbst beantworten müssen.

 

Nachfolgend wurden die Wettbewerbsprojekte der Gewinner des IPHE-Student-Wettbewerbes (IPHE = International Partnership for the Hydrogen Economy) durch die Teilnehmer selbst vorgestellt.  Es ging hierbei zum Beispiel um die Speicherung von Windstrom in Form von Wasserstoff oder den praktischen, vollständig eigenständigen Bau eines kleinen Brennstoffzellenfahrzeuges.

 

Den Vortrag der amerikanischen Gewinner konnten wir leider nicht sehen, da wir ein Treffen mit kanadischen Wissenschaftlern auf der Wasserstoffmesse hatten.

 

Bei dem Austausch mit den zwei Kanadiern bildeten wir zwei Gruppen und stellten den Wissenschaftlern unsere Vorstellung einer Wasserstoffwirtschaft dar,  sowie unsere Vereinsaktivitäten.  Im Gegenzug ließen sie uns an Ihren Forschungsprojekten in Zusammenhang mit Wasserstoff teilhaben. Diese beinhalteten die Wasserstoffgewinnung über Vergasungsprozesse mittels überkritischem Wasser, sowie der Wasserstoffproduktion aus Müll.

 

Dann hieß es, wie so oft, wenn man im Ruhrgebiet unterwegs ist: "Einmal Essen und wieder zurück", wobei hier mit "Essen" nicht die Stadt Essen, sondern das gute Essen der Weltwasserstoffkonferenz, gemeint ist. Auch wenn diese Konferenz in dem bekannten Essener Messe Gebäude stattfand, fand das Essen natürlich nicht auf der Wasserstoffmesse selbst statt. Abschließend kann man nur sagen, das Essen war gut organisiert und solide.

 

Im Anschluss fand der Messebesuch statt. Von einem Kaffeeautomaten, der mit H2 betrieben wurde, über einen Herd mit katalytischer Verbrennung von Wasserstoff, bis hin zu verschiedene Wasserstoffspeichern und Brennstoffzellensystemen für mobile wie stationäre Anwendungen wurden uns viele H2-Technologien demonstriert und Informationen zuteil.

Der Kaffeeautomat besaß eine kleine Wasserstoffdruckflasche, in der Wasserstoff mit ein paar hundert Millibar gespeichert wurde. Ein H2Works-Mitglied fragt provokant, ob der Wasserstoff nicht hindurch diffundiere, eine Frage die uns selbst oft gestellt wird. Ein eindeutiges „Nein“ ist die Antwort und wir werden verwundert angeschaut, als ob dies eine seltsame Idee sei. Dabei stammt sie nicht einmal von uns, sondern von den fleißigen Fragestellern nach H2Works-Vorträgen.

Laut Deutschem Wasserstoffverband sind Diffusionserscheinungen in bzw. durch Metallspeicher von Wasserstoff aufgrund ihrer geringen Größe von rein akademischem Interesse.

 

Interessanter Weise treffen wir auch auf einen Stand von RWE, dort thront der „Energieriese“ (aus der RWE-Werbung bekannt). Hat der Energieriese etwa unseren Wasserstoff gefressen? Der Energieriese auf hydrogen? Vorgestellt wird neben einem akkubetriebenen (!) Elektrowagen eine geplante Kohlevergasungsanlage. Hier soll dann ein wasserstoffreiches Gas entstehen, wodurch RWE meint, einen Anknüpfpunkt mit dem Thema „Wasserstoff“ zu besitzen. Man gibt uns aber Auskunft, dass dieser Wasserstoff für Brennstoffzellen ohnehin nicht in Frage kommt, da er nicht rein genug produziert werden kann. Umweltfreundlich sei das Ganze auch noch, weil man ja das CO2 via CCS-Technologie abtrenne. Verschwiegen wird hierbei, dass weder die Kohlevergasung noch CCS-Anwendung im großen Stil von RWE verwendet werden sollen. Mit CCS wird wohl kaum ein altes Kohlekraftwerk nachgerüstet werden. Wollen wir uns wirklich mit neuen Kohlekraftwerken die Zukunft verbauen? Wenn CCS so toll ist, warum wird es dann noch nicht überall genutzt? Wir glauben die Antwort zu kennen:  Man bräuchte politische Rahmenbedingungen für die teure CCS-Technologie an denen es im Moment noch massiv mangelt, sonst wird wahrscheinlich kein Energiekonzern Geld dafür ausgeben.  Wer genau hinschaut weiß also, dass es hier nur darum geht das Image von RWE aufzubessern. Hoffen wir, dass der Riese sich bald von seinem Rausch erholt.

 

Für den leckeren Kaffee am RWE-Stand möchten wir uns aber noch in aller Form bedanken, zum Glück ist er nicht durch die Tasse diffundiert!

 

Als krönenden Abschluss kann man die Probefahrten mit Wasserstoffautos werten. Diejenigen von uns mit Führerschein, konnten sogar selbst fahren und ein tolles Fahrgefühl ohne nervige Motorengeräusche und stinkende Abgase, dafür aber mit der Beschleunigung von Elektrofahrzeugen, genießen.